Ästhethik und Gestaltung

Ästhetische Wahrnehmungen sind Teil der kindlichen Weltentdeckung und werden von Kindern auf individuell unterschiedliche Weise im aktiven Tun verarbeitet und interpretiert.

Indem Kinder malen, mit Sprache, Klängen, mit Bewegung oder mit unterschiedlichen Materialien experimentieren, setzen sie sich mit ihrer Umwelt auseinander, sie gewinnen Erkenntnisse darüber und verwirklichen eigene Vorstellungen.

Das Besondere an kindlichen Werken ist ihre Ursprünglichkeit. Wenn Kinder malen, gestalten, Geschichten oder Lieder erfinden, orientieren sie sich nicht oder kaum an etablierten Darstellungs- und Kunstformen. Kulturelle und gesellschaftliche Aspekte spielen dabei jedoch eine wichtige Rolle. Kinder werden in die jeweilige Gesellschaft hineingeboren und übernehmen.

Kinder brauchen sowohl die Möglichkeit zur aktiven, produktiven Auseinandersetzung mit der Erwachsenkultur als auch die Möglichkeit, Ausdrucksformen der eigenen kulturellen Identität zu entwerfen und zu erproben. Die Tätigkeiten der Kinder sind Mittel, um Erfahrungen und Gefühle auszudrücken und die eigene Identität weiterzuentwickeln.

Kinder gestalten nicht um der Ergebnisse sondern um des Gestaltens willen.

Kunst ist ein wesentliches Merkmal und Ausdrucksmittel einer Kultur und wird zugleich von dieser geprägt. Die Auseinandersetzung mit Kunst kann die Sinne der Kinder schärfen, ihre Phantasie anregen und sie dazu inspirieren eigene Werke zu schaffen.

In einer pluralistischen Gesellschaft werden Kinder mit verschiedensten Formen von Kunst und Kultur konfrontiert. Die unvoreingenommene und neugierige Auseinandersetzung damit stellt eine Grundlage für Weltoffenheit und ein respektvolles Miteinander dar.

Ästhetische Erfahrungen umfassen alle Bereiche des künstlerischen Ausdrucks.

Bildnerisches und plastisches Gestalten sind wesentliche menschliche Ausdrucksmittel und entspringen dem Bedürfnis, individuelle Spuren zu hinterlassen.

Um die Eigenständigkeit und Individualität von Kinderwerken zu wahren, ist es wichtig, diese nicht nach Maßstäben der Erwachsenenwelt zu korrigieren sondern sich mit vermeintlich gut gemeinten Geschmacksurteilen zurückzuhalten.

Ausmalbilder, Auftragsarbeiten, wie die Herstellung eines „schönen“ Raumschmuckes oder vorgegebene Schablonen, sind kritisch zu hinterfragen, da diese die Gestaltungsfreiräume der Kinder nachhaltig einschränken.

Beispielsweise fordert das freie Legen mit Naturmaterialien das kreative Potential von Kindern ungleich mehr als das Bemalen einer Mandala-Vorlage.

Theater im weitesten Sinn ist ein grundlegendes Lern- und Erfahrungsmedium für Kinder. Rollenspiele ermöglichen es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und sich die Welt auf spielerische Weise verfügbar zu machen.

Der kreative Umgang mit Sprache stellt ebenfalls eine Form des künstlerischen Ausdrucks dar. Sprachspielereien, Gedichte, Bücher und Geschichten ermöglichen erste Erfahrungen mit Literatur.

Musik und Tanz bieten vielfältige Sinneseindrücke und Ausdrucksmöglichkeiten, erschließen besondere Zugänge zu Emotionen und sind gemeinschaftsstiftend. Musizieren entwickelt im Kind nicht nur Feinheiten des Gehörs, Musik fördert auch die kindliche Intelligenz und dient der inneren Ausgeglichenheit. Melodie und Rhythmus strukturieren Musik nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Musik bildet demnach Geist und Seele gleichermaßen. Bereits sehr junge Kinder reagieren auf Musik und setzen diese spontan in Bewegung um. Beim Tanzen kommt die enge Verbindung von Wahrnehmung, Empfindung und Bewegung auf besondere Weise zum Ausdruck.

Kinder brauchen für kreative Lernprozesse eine Umgebung, in der sie sich wohl fühlen und nicht befürchten müssen, kritisiert oder korrigiert zu werden.

Sie brauchen eine Atmosphäre, die zu lustvollem Arbeiten ohne Leistungsdruck einlädt und einen breiten Spielraum für selbstständiges Denken und Handeln gewährt.

Zu den Kompetenzen im Bereich Ästhetik und Kunst gehören:

.)sich des eigenen kulturellen Raumes mit seinen Traditionen und Brauchtümern

bewusst sein und offen auf andere Kulturen zugehen können

.)Kunst als „Symbolsprache“ einsetzen, um eigene Gedanken und Gefühle

auszudrücken und mitzuteilen

.)unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen Interesse und Respekt

entgegenbringen

.)Ästhetik, Kunst und Kultur im Alltag wahrnehmen

.)über Respekt vor den unterschiedlichen Zugängen zu Ästhetik verfügen

.)eigene Emotionen und Wahrnehmungen gestalterisch ausdrücken

.)sich in einen kreativen Prozess vertiefen können

.)Freude und Lust beim schöpferischen Tun erleben

.)eigene Wege und Lösungsmöglichkeiten zur Umsetzung einer Idee finden

.)unterschiedliche Techniken des bildnerischen und plastischen Gestaltens

kennen und einsetzen

.)Musik und Rhythmus als persönliche Ausdrucksmöglichkeit nutzen

.)beim gemeinsamen Musizieren, Tanzen und Theaterspielen miteinander

kooperieren und gemeinsam gestalten

.)verschiedene Werkzeuge, Materialien und Instrumente sicher handhaben

und sachgerecht einsetzen