Ethik, Religion und Gesellschaft

Kinder setzen sich mit Grundfragen des Lebens auseinander – auf der Suche nach Antworten brauchen sie Vorbilder und die Begleitung von Erwachsenen mit ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz.

Der Kindergarten als elementare Bildungseinrichtung unterstützt Kinder beim Aufbau eines gemeinsamen Wertesystems und bei der Entwicklung partizipatorischer Fähigkeiten.

Ethik betrifft den gesamten Bereich menschlichen Handelns. Lernprozesse, die sich auf die Auseinandersetzung mit Regeln, Werten und Normen beziehen, beruhen unter anderem auf der Beobachtung anderer Personen – Kinder versuchen aus wahrgenommenen Verhaltensweisen und den damit verbundenen Reaktionen „Regelmäßigkeiten“ zu erkennen.

Für den Aufbau eines Ethischen Bewusstseins brauchen Kinder darüber hinaus die Interaktion, Kommunikation und Diskussion über Einstellungen, Werte und Normen.

Werte können als persönliche Einstellungen bezeichnet werden, die Lebensgrundsätze und Weltbilder bestimmen. Das jeweilige Wertebewusstsein beeinflusst die individuelle Art zu fühlen, zu denken und zu handeln. Bei der Aneignung von Werten orientieren sich Kinder an den Bewertungen ihrer Bezugspersonen. Sie setzen sich mit Einstellungen, Einschätzungen und Sichtweisen anderer auseinander und verinnerlichen sie.

Aus der Vielfalt von Wertesystemen einer pluralistischen Gesellschaft ergeben sich Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit Normen und Werten.

Der Kindergarten bietet Kindern zahlreiche Gelegenheiten zur Erfahrung von Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Unterschiede fordern Kinder insbesondere in sprachlicher, sozialer und kognitiver Hinsicht heraus und regen zum Vergleichen und Unterscheiden an.

Eine Pädagogik der Diversität hat zum Ziel, dass Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit angenommen werden, sich zugehörig fühlen können und über kulturelle, geschlechtsspezifische und soziale Grenzen hinweg mit und von anderen lernen.

Pädagoginnen und Pädagogen regen das kritische Denken von Kindern über Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung an und tauschen sich mit Kindern darüber aus, was fair und was unfair ist.

Interkulturelle Arbeit baut auf den Gemeinsamkeiten der Kulturen auf und basiert auf einem Lernkonzept, das die Entwicklungschancen in einer kulturell vielfältigen Kindergruppe bewusst nutzt. Basis dafür sind Informationen über den kulturellen, familiären und sprachlichen Hintergrund der Kinder.

Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen ist in den niederösterreichischen Kindergärten jahrelang gelebte Praxis. Kinder haben die Möglichkeit, gemeinsam zu leben und miteinander zu lernen.

Der Begriff „Inklusion“ ersetzt in der Diskussion, wie Pädagogik allen Kindern gerecht werden kann, immer häufiger den Begriff „Integration“.

Inklusive Pädagogik betont, dass es keine zwei Gruppen von Kindern gibt, sondern einfach Kinder, die unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Partizipation in elementaren Bildungseinrichtungen eröffnet Kindern die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen und Interessen in das Gruppenleben einzubringen und zu verwirklichen. Partizipation erfordert aktives und zielgerichtetes Handeln der Partizipierenden und geht über ein einfaches Dabeisein und Mitmachen hinaus. Das Einüben demokratischer Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen ist gleichzeitig ein Beitrag zur gesellschaftlichen Integration. Regelmäßige Gesprächsrunden bilden die Basis einer guten Gesprächskultur, sie geben den Kindern die Möglichkeit, Ideen einzubringen, Interessen zu vertreten und gemeinsam zu diskutieren. In der Gruppe ist es notwendig, Gesprächsregeln einzuhalten.

Partizipation als Teilhabe der Kinder an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen, die sie persönlich oder die Gruppe betreffen, ermöglicht ihnen, Selbstwirksamkeit zu erleben und Mitverantwortung für das Gruppengeschehen zu übernehmen.

Kindergärten sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Kinder aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Religionen sind daher in den meisten Kindergärten nichts Ungewöhnliches. Grundlage eines interkulturellen und interreligiösen Miteinanders bilden die Menschenrechte, welche die Achtung der Menschenwürde, den Respekt vor der Vielfalt der Kulturen und Religionen und den Schutz von Minderheiten einfordern.

Religiöse und interreligiöse Bildungsarbeit meint, Lernprozesse anzuregen, die Kinder mit der Welt der Religionen bekannt machen, die sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdecken lassen und die sie dazu befähigen, einander mit Offenheit und Interesse zu begegnen.

Zu den Kompetenzen im Bereich Ethik, Religion und Gesellschaft gehören:

.) Achtung und Respekt allen Menschen gegenüber, Grundverständnis dafür, dass alle Menschen gleichwertig sind

.) Grundverständnis für respektvollen Umgang mit dem eigenen Körper, mit sich als Person, mit anderen Menschen und mit der Natur

.) Verantwortung für sich selbst, die Gemeinschaft und die Umwelt zu übernehmen

.) Grundverständnis dafür, dass außerhalb der Familie, z. B. im Kindergarten, gegebenenfalls andere Werte und Regeln gelten als zu Hause

.) sich als Teil der Gruppe wahrnehmen

.) Neuem und Unbekanntem mit Offenheit und Interesse begegnen

.) sich der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Anliegen bewusst sein

.) eigene Bedürfnisse und Interessen ausdrücken und vertreten

.) Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmen

.) individuell unterschiedliche Regelungen innerhalb der Gruppe akzeptieren

.) persönliche Kraftquellen kennen und nutzen

.) sich eine Meinung bilden und die Meinung anderer akzeptieren

.) eigene Intentionen mit den Zielen und Handlungen anderer in Übereinstimmung bringen

.) Grundverständnis dafür, dass das Leben in der Gemeinschaft Kompromisse notwendig macht.